Warum der Algorithmus Bewegtbild bevorzugt
Instagram hat seinen Algorithmus seit 2021 schrittweise auf Reels ausgerichtet. Der Grund ist ökonomisch: Bewegtbild hält Nutzer länger auf der Plattform, erhöht die Werbeeinnahmen und konkurriert mit TikTok. Der Reuters Institute Digital News Report 2025 dokumentiert diesen Trend über alle Plattformen. Was das bedeutet: Statische Bilder – die natürliche Darstellungsform Bildender Kunst – werden algorithmisch schlechter ausgespielt als Videos. Das ist ein Strukturproblem zwischen dem Format der Plattform und dem Format der Kunst.
Was Videos für Bildende Künstler leisten können
Videos, die den Arbeitsprozess dokumentieren – eine Skulptur entsteht, ein Gemälde entwickelt sich über Wochen –, können echten Mehrwert bieten: Sie zeigen eine Dimension, die ein Foto nicht zeigt. Das ist inhaltlich sinnvoll und unabhängig von Algorithmus-Überlegungen gerechtfertigt. Was keinen Sinn ergibt: hastig produzierte Reels, die nichts zeigen außer der Tatsache, dass jemand Videos produziert hat. Das ist für Bildende Künstler keine Pflicht – es ist eine Entscheidung, die vom eigenen Medium und der eigenen Arbeitssituation abhängen sollte.
Was Bildende Künstler stattdessen tun können
Wer keine Reels produzieren will oder kann, verliert algorithmische Reichweite – das ist eine reale Konsequenz. Aber diese Reichweite war, wie die Socialinsider-Analyse von 1,9 Millionen Posts zeigt, für statische Bilder bereits strukturell gering. Die eigene Website, Ausstellungsbeteiligung und Pressearbeit sind von Plattformentscheidungen unabhängig. Reels als strategische Entscheidung zu treffen – weil das Medium passt und die Energie vorhanden ist – ist sinnvoll. Als Pflichtprogramm, das man gegen das eigene Interesse ableistet, ist es verschwendete Zeit.