Die Prägung
Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK) wurde 1761 von Herzog Carl Eugen von Württemberg gegründet und gehört damit zu den ältesten Kunsthochschulen Deutschlands. Der Württembergische Kunstverein, 1827 gegründet, ist einer der ältesten und größten Kunstvereine des Landes. Diese institutionelle Kontinuität hat Stuttgarts Kunstmilieu eine Stabilität gegeben, die in einer Stadt dieser Größe -- rund 620.000 Einwohnerinnen und Einwohner -- keine Selbstverständlichkeit ist. Die Staatsgalerie Stuttgart, deren Grundstock aus herzoglichen Sammlungen des 18. Jahrhunderts stammt, wurde 1843 für die Öffentlichkeit eröffnet; ihr Erweiterungsbau von James Stirling, 1984 fertiggestellt, gehört zu den frühen und vieldiskutierten Beispielen postmoderner Museumsarchitektur in Deutschland. Die Sammlung reicht von der mittelalterlichen Malerei bis zur Gegenwartskunst, mit starken Beständen in der Klassischen Moderne. Der Stirling-Bau selbst ist ein Besuchsziel für Architekturinteressierte und hat die Stadt in der internationalen Fachpresse präsent gehalten.
Arbeiten in Stuttgart
Die ABK Stuttgart bildet mit rund 850 Studierenden in den Bereichen Freie Kunst, Design, Architektur, Konservierung und Restaurierung sowie Kunstlehramt aus. Die jährliche Jahresausstellung ist der wichtigste öffentliche Termin der Stuttgarter Kunstszene: Ateliers und Klassen öffnen für Besucherinnen und Besucher, und das Umfeld aus Sammlerinnen, Galeristen und Kuratorinnen nutzt den Termin, um Nachwuchs zu sichten. Das angegliederte Atelierhaus des Württembergischen Kunstvereins bietet Bildenden Künstlerinnen und Künstlern der Stadt einen institutionellen Rahmen für Produktion und Austausch; im Kunstgebäude am Schlossplatz stehen Werkstätten zur Verfügung. Die Stadtteile Stuttgart-Mitte und Stuttgart-West haben sich als Galerienquartiere etabliert: In den Gründerzeitgebäuden und Hinterhöfen dieser Viertel haben sich Bildende Künstlerinnen und Künstler neben kommerziellen Galerien eingerichtet. Stuttgart ist als Industriestadt -- mit Bosch, Daimler und Porsche als Nachbarn -- ein Ort, an dem die Grenzen zwischen angewandter Gestaltung und Freier Kunst produktiv offen sind. Kooperationen zwischen Kunstschaffenden und Unternehmen sind in Stuttgart keine Ausnahme, sondern Teil eines kulturellen Selbstverständnisses, das Gestaltung und freie Produktion als gleichwertig begreift.
Ausstellungen in Stuttgart
Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt Malerei und Skulptur vom Mittelalter bis zur Gegenwart; der Stirling-Bau ist selbst ein kunsthistorisches Objekt und Gegenstand der Architekturgeschichte. Das Kunstmuseum Stuttgart am Schlossplatz, in einem markanten Glasbau untergebracht, konzentriert sich auf Gegenwartskunst mit einem Schwerpunkt auf Positionen aus dem Südwesten. Der Württembergische Kunstverein bespielt das Kunstgebäude -- ebenfalls am Schlossplatz -- mit über 1.700 Quadratmetern Ausstellungsfläche; sein Programm verbindet lokale und internationale Positionen. Stuttgart hat damit im engsten Stadtbereich drei bedeutende Ausstellungshäuser auf kurzem Weg -- ein Vorteil für Kunstinteressierte, die mehrere Institutionen an einem Tag besuchen wollen.
Stuttgart heute
Stuttgart ist kunststrategisch gut aufgestellt: eine der ältesten Kunsthochschulen Deutschlands, ein traditionsreicher Kunstverein mit Atelierhaus, zwei Kunstmuseen im Zentrum und ein lebendiges Galerienfeld in den Innenstadtvierteln. Was Stuttgart von anderen Landeshauptstädten unterscheidet, ist die Dichte auf engem Raum: Staatsgalerie, Kunstmuseum und Württembergischer Kunstverein liegen alle am oder nahe dem Schlossplatz -- ein Kunstprogramm, das man zu Fuß erkunden kann, ohne die Qualität der einzelnen Häuser gegeneinander abwägen zu müssen. Das Atelierhaus des Württembergischen Kunstvereins und die Jahresausstellung der ABK sind dabei die Orte, an denen Kunstinteressierte die freie Stuttgarter Szene am direktesten erleben -- jenseits des institutionellen Betriebs, nah an der Produktion und an den Menschen, die sie tragen.