Die Prägung
August Macke (1887--1914) ist die zentrale künstlerische Figur Bonns. Der Maler, der zum engsten Kreis des Blauen Reiters um Wassily Kandinsky und Franz Marc gehörte, ist in Bonn aufgewachsen und kehrte nach Reisen nach Paris und in die Toskana 1911 in die Stadt zurück. Im selben Jahr bezog er sein Haus im Stadtteil Kessenich, das heute als August-Macke-Haus Gedenkstätte und Ausstellungsort ist. 1913 organisierte Macke in Bonn die "Ausstellung Rheinischer Expressionisten" -- den ersten dokumentierten Nachweis einer westdeutschen Kunstbewegung neben den Zentren Berlin und München. Macke fiel 1914 als Soldat in Frankreich; er war 27 Jahre alt. Das Kunstmuseum Bonn, 1992 nach einem Entwurf von Axel Schultes eröffnet, besitzt die weltweit größte Sammlung zum Rheinischen Expressionismus: rund 7.500 Objekte, mit einem Schwerpunkt auf Macke, Heinrich Campendonk und den rheinischen Expressionisten seiner Generation.
Arbeiten in Bonn
Bonn hat keine eigenständige Kunsthochschule, aber das Kunsthistorische Institut der Universität Bonn ist eines der renommiertesten im deutschsprachigen Raum. Kunstgeschichte als akademische Disziplin prägt das kulturelle Klima der Stadt und sorgt für ein bildungsbürgerliches Kunstpublikum, das sich vom studentischen Milieu der Universität bis zu den Diplomaten und Bundesbehörden der ehemaligen Hauptstadt zusammensetzt. Der Bonner Kunstverein zeigt zeitgenössische Positionen im Ausstellungsraum; Ateliers und Projekträume kleinerer Initiativen ergänzen das institutionelle Angebot. Für Bildende Künstlerinnen und Künstler, die in Bonn leben und arbeiten, ist die Nähe zu Köln -- rund 30 Kilometer -- ein entscheidender Faktor: Köln ist einer der wichtigsten Galerienstandorte Deutschlands, und viele Bonner Kunstschaffende sind in beiden Städten aktiv. Das städtische Atelierförderungsprogramm unterstützt freie Künstlerinnen und Künstler mit Atelierflächen zu subventionierten Konditionen. Bonn hat zwar keine Kunsthochschule, aber die Universität mit ihrem kunsthistorischen Institut sorgt für einen gut ausgebildeten und kunstaffinen Nachwuchs, der die freie Szene bereichert. Die ehemalige Bundeshauptstadt hat zudem ein Netzwerk aus Kultureinrichtungen und -stiftungen, das Förderanträge für Bildende Kunst ermöglicht und die Stadt als Kunstort strukturell stärkt.
Ausstellungen in Bonn
Das Kunstmuseum Bonn zeigt neben der Rheinischen Expressionismus-Sammlung auch deutsche Nachkriegsmalerei und zeitgenössische internationale Positionen; Wechselausstellungen ergänzen den Dauerbestand. Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland -- kurz Bundeskunsthalle -- liegt fußläufig vom Kunstmuseum entfernt und ist eines der meistbesuchten Ausstellungshäuser Deutschlands. Das Haus verfügt über rund 5.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche, betreibt keine eigene Sammlung und zeigt wechselnde Ausstellungen zu Kunst, Kultur und Wissenschaft. Das August-Macke-Haus in Kessenich bietet eine biografische Dimension: Das persönliche Umfeld des Malers, sein Arbeitsraum und seine Stadtlage machen die Entstehungsbedingungen des Rheinischen Expressionismus greifbar. Kommerzielle Galerien in der Bonner Innenstadt ergänzen das institutionelle Angebot.
Bonn heute
Bonn ist eine mittelgroße Stadt mit einer außergewöhnlichen institutionellen Dichte: ein Weltmuseum für den Rheinischen Expressionismus, eine der meistbesuchten Ausstellungshallen Deutschlands und ein Erinnerungsort am Geburtshaus des bedeutendsten Bonner Künstlers. Für Kunstinteressierte, die beide Häuser besuchen wollen, sind die Wege kurz: Kunstmuseum und Bundeskunsthalle liegen nebeneinander im Bonner Museumsquartier. Der Kunstverein und die freie Szene machen Bonn zu einem Ort, der über seine touristischen Aushängeschilder hinaus ein kontinuierliches Kunstprogramm bietet -- und der dank der Kölner Nachbarschaft in ein größeres regionales Kunstnetz eingebunden ist -- ein Vorteil, den mittelgroße Städte ohne eine solche Metropole in der Nähe nicht haben.